Tradition trifft Hightech: Wie ein Betrieb in Hagen auf solare Eigenversorgung setzt
Wenn man auf den 100 Hektar Land in Hagen steht, spürt man sofort: Hier wird Landwirtschaft mit Weitblick betrieben. Das Herzstück des modernen Vorzeigebetriebs ist der neue Milchviehstall Benninghaus in Hagen (Westf.). Rund um die Uhr sorgen 85 Kühe und zwei Melkroboter im Dauerbetrieb für Höchstleistungen. Doch dieser Fortschritt hat seinen Preis – vor allem auf der Stromrechnung.
Die Herausforderung: 24/7-Betrieb braucht kalkulierbare Kosten
Ein moderner Stall schläft nie. Automatische Melkanlagen, die kontinuierliche Milchkühlung, Güllepumpen und eine durchgehende Beleuchtung verbrauchen rund um die Uhr Energie. Mit einem enormen Jahresstrombedarf stand der Landwirt vor einer strategischen Richtungsentscheidung:
„Der Plan war klar: Wenn wir neu bauen, müssen wir die Energiekosten dauerhaft im Rahmen halten“, blickt der Landwirt zurück.
Eine leistungsstarke PV-Anlage in Kombination mit einem großzügig dimensionierten Batteriespeicher sollte her. Das übergeordnete Ziel: maximale Eigenversorgung für den gesamten Betrieb – von den Melkanlagen für die Milchproduktion über die Hofmetzgerei bis hin zur Versorgung der Hühner für die eigene Eiererzeugung.
Die Lösung: Ein perfekt abgestimmtes Kraftwerk aus einer Hand
Für Planung und Umsetzung holte sich der Landwirt einen erfahrenen Partner an die Seite: das Team des Fachbetriebs Solar Wiebe aus Gummersbach. Die Wahl der Komponenten fiel dabei ganz bewusst auf ein geschlossenes Gesamtsystem vom deutschen Traditionsunternehmen KOSTAL.
„Wir wollen unseren Kunden alles aus einer Hand bieten“, erklärt Installateur Chris. „Gibt es Rückfragen, haben wir genau einen Ansprechpartner für das gesamte System. Das spart wertvolle Zeit und gibt allen Beteiligten maximale Sicherheit.“
Auf den Stalldächern entstand ein echtes Kraftwerk mit 99 kWp Leistung:
- Die Arbeitstiere: Die Wechselrichter PIKO CI 50 G2 und PIKO CI 30 G2 wandeln den Solarstrom hocheffizient um. Ein praktischer Vorteil für das Handwerk: Trotz ihrer beachtlichen Leistung wiegen die Geräte lediglich 44 bzw. 33 kg. „In dieser Leistungsklasse gehören sie zu den leichtesten Modellen am Markt. Das hat die Wandmontage im Stall und die Verkabelung enorm erleichtert“, so Chris.
- Intelligenz trifft Speicher: Ein neuer Hybrid-Wechselrichter PLENTICORE G3 arbeitet Hand in Hand mit dem Batteriewechselrichter PLENTICORE BI 25. So werden rund 40 kW Lade- und Entladeleistung erreicht.
- Die eiserne Reserve: Damit Melkroboter und Kühlsysteme auch nachts zuverlässig mit eigenem Solarstrom laufen, puffert der KOSTAL HELIVOR HV-Speicher mit satten 67,2 kWh die überschüssigen Sonnenerträge des Tages.
Der Dirigent an der Stallwand: Wie MDC die Technik zusammenschweißt
Wo mehrere Wechselrichter im Team arbeiten, braucht es klare Führung. Auf dem Hof übernimmt der PLENTICORE BI 25 diese Rolle: Als MDC-Host dirigiert er per LAN die weiteren Geräte – vom PLENTICORE G3 bis zu den PIKO CIs. Statt mühsamer Einzelkonfiguration läuft die gesamte Steuerung zentral und zeitsparend über eine einzige Weboberfläche.
Die handfesten Vorteile für den Hofbetrieb:
- Rückhalt für Melkroboter & Kühlung: Bei Großverbrauchern im 24/7-Einsatz sind verlässliche Abläufe Pflicht. MDC stimmt die Speicherzyklen präzise auf die Lastspitzen des Stalls ab und visualisiert alle Energieflüsse transparent auf einen Blick.
- Automatisch zukunftssicher und netzdienlich: Gesetzliche Drosselvorgaben (§ 9 EEG, § 14a EnWG) verteilt der Host verzögerungsfrei an alle Wechselrichter im Verbund – ganz ohne manuelles Nachjustieren.
- Sparen bei Schlechtwetter: Reicht die Wintersonne nicht aus, bindet MDC dynamische Stromtarife ein und lädt den Speicherverbund gezielt dann aus dem Netz nach, wenn die Börsenstrompreise im Keller sind.
Das Ergebnis: Wenn sich solare Eigenversorgung in kürzester Zeit bezahlt macht
Für den Landwirt zählten von Beginn an vor allem zwei Faktoren: Wirtschaftlichkeit und Unabhängigkeit. Wie treffsicher das System dimensioniert ist, belegen die ersten Betriebsdaten schwarz auf weiß:
Seit der Inbetriebnahme Mitte März 2026 erzeugte das System bis Anfang September bereits 76 MWh Solarstrom. Mehr als die Hälfte davon – beachtliche 53 Prozent – trieb direkt die Maschinen und Kühlanlagen auf dem Hof an, während die restlichen 47 Prozent ins öffentliche Netz flossen. Mit einem sommerlichen Autarkiegrad von stolzen 94 Prozent spart der Betrieb in knapp sechs Monaten bereits gut 11.000 Euro an Stromkosten ein.
Dank dieser starken Performance amortisiert sich die gesamte Großanlage voraussichtlich schon nach rund fünf Jahren.
„Am wichtigsten ist mir der Blick auf die Gesamtanlage: Decke ich meinen Eigenbedarf zuverlässig ab? Läuft alles rund?“, resümiert der Landwirt zufrieden.
Die Antwort lautet: Ja. Rund 900.000 kg Milch pro Jahr werden auf dem Hof nun nahezu vollständig mit der Kraft der eigenen Dächer erzeugt.
Blick in die Zukunft: Da geht noch mehr
Das Energiekonzept ist modular gedacht und wächst mit den Anforderungen. Die KOSTAL Wallbox ENECTOR wurde vorsorglich direkt mitinstalliert und lässt sich über den PLENTICORE G3 nahtlos in das bestehende MDC-Energiemanagement einbinden.
Es gibt bereits konkrete Überlegungen, ein erstes E-Fahrzeug für Betriebsfahrten anzuschaffen. Doch dabei muss es nicht bleiben: Auch ein elektrischer Radlader sowie ein elektrisch angetriebener Futtermischer stehen auf der Wunschliste
Und sollte der Energiehunger des Betriebs weiter steigen? Kein Problem.
„Dachfläche ist noch genug da“, schmunzelt der Landwirt.
Die Erfolgsgeschichte aus Hagen beweist: Wer in zukunftsfähige Landwirtschaft investiert und auf erfahrene regionale Fachbetriebe sowie durchdachte Systemtechnik setzt, macht sich unabhängig von unberechenbaren Strompreisen – und erzeugt regionale Lebensmittel mit Sonnenenergie vom eigenen Dach.